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Katholische Pfarrei St. Stefan Gräfelfing
Unsere Kirchen




Dank an alle, die mitgegangen sind

Es war durchaus ein Wagnis, an einen Kreuzweg für die Pfarrkirche St. Stefan zu denken. Zu lange hatte man sich an die großformatigen farbenprächtigen Bilder gewöhnt, die als Ersatz für einen "richtigen" Kreuzweg vor ca. 30 Jahren von Jugendlichen aus unserer Pfarrei gemalt wurden. In all den langen Jahren schmückten sie die Südwand unserer Kirche. Dabei waren sie immer als Provisorium gedacht.
Im Frühjahr 2008 waren dann die Überlegungen in der Kirchenverwaltung so weit gediehen, dass es zu einem Entschluss kam: Ein neuer Kreuzweg soll auf den Weg gebracht werden. Auch der Pfarrgemeinderat stellte sich entschieden hinter das Vorhaben. Im Nachhinein ist dem Kunstreferenten der Erzdiözese Herrn Dr. Peter Jocher großer Dank auszusprechen, dass er uns – nachdem die ursprüngliche Idee eines Wettbewerbs wieder verworfen wurde – mit dem Künstler Franz Hämmerle in Verbindung brachte, dem diese Aufgabe zuzutrauen wäre.
Nach einer längeren Phase des Kennenlernens und Vertrautwerdens, nach Besuchen im Atelier des Künstlers, nach einer Vorstellung des Konzepts in der Pfarrgemeinde und einer gemeinsamen Sitzung von Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung wurde am 11. März 2009 der Auftrag an Franz Hämmerle vergeben.

Jetzt nach Vollendung des Werkes gilt es allen zu danken, die sich auf diesen "Kreuzweg" eingelassen haben und mitgegangen sind: den pfarrlichen Gremien, vor allem unserem Kirchenpfleger Horst Juppe, der sich sehr persönlich und engagiert um diese Aufgabe und ihre Verwirklichung annahm. Großer Dank und ein herzliches Vergelt's Gott sei allen gesagt, die durch kleinere und größere (und ganz große) Spenden beigetragen haben, dass wir uns nun über einen neuen Kreuzweg freuen dürfen. Manche haben schon dafür gespendet, als noch gar kein Drandenken war, dass es eines Tages noch dazu kommen würde. Eine aus unseren diesjährigen Erstkommunionfamilien hat sogar die gesamten Kosten für eines der acht Reliefs übernommen. Allen, die gespendet haben, sei wirklich von Herzen gedankt.
Zum Schluss Danke an den Schöpfer des Kreuzwegs, den Bildhauer Franz Hämmerle, der auch die Texte verfasste, die in einem wunderschönen Heft zum neuen Kreuzweg in St. Stefan Gräfelfing erschienen sind(*). Mögen viele Generationen von Christen in der Betrachtung des Leidenswegs Jesu Ermutigung und Kraft, Trost und Hoffnung für ihren eigenen Lebensweg empfangen.


Pfarrer Anton Schönauer   




(*) Die Broschüre ist im Pfarramt St. Stefan wie auch in der Sakristei (nach den Gottesdiensten) erhältlich und kostet 8,- €.

 




Herr Hämmerle und Weihbischof Siebler (Foto Christoph Schröder, MKZ)
 

Es war doch ein längerer Weg, bis der neue Kreuzweg für St. Stefan fertig war. Die gemalten Kreuzwegbilder waren ja als Schülerarbeiten recht gut, aber für eine Kirche auf die Dauer nicht geeignet.
Als ich vom Kunstreferenten der Erzdiözese München, Dr. Jocher, empfohlen wurde, war mir die Situation in Gräfelfing als Kontrabassist im Orchester von Herrn Kuttig längst vertraut. Von meinen bisherigen Auseinandersetzungen mit dem Thema "Kreuzweg" wollte ich für die Gräfelfinger Kirche einen speziellen Entwurf gestalten. Es war erfreulich, dass Herr Pfarrer Schönauer mit seinen Gremien meine ersten Ideenskizzen positiv aufnahm. Es folgten weitere Ausarbeitungen und ein Atelierbesuch.
Vor eineinhalb Jahren konnte ich den Kreuzweg zeichnerisch und mit einem modellierten Relief darstellen. Die Fastenzeit 2009 war für mich die intensive Zeit des Hineindenkens und Gestaltens. Bis zum Sommer waren dann alle Reliefs in der Gießerei Herbich in Gernlinden gegossen. Der Komponist Gregor Gardemann, der die Reliefs bei mir stehen sah, war durch sie inspiriert und komponierte ein Triptychon mit je 3 Sätzen. Die Komposition kann zur Einweihung aus finanziellen Gründen noch nicht zur Uraufführung kommen.

Das Erzbischöfliche Ordinariat München gibt aber meine "Nachfolge im Kreuzweg" als Büchlein heraus(*). Ich kann es sehr zum privaten Gebrauch empfehlen. Die Passion Jesu betend zu meditieren, stellt uns der schmerzhafte Rosenkranz fünf biblische Bildinhalte vor. Daneben gibt es aus einem Nachempfinden heraus fromme Ausschmückungen in 14 Stationen des Kreuzweges.
Ich stelle den Kreuzweg für St. Stefan unter das Thema der "Nachfolge". Er ist strenger auf Evangelientexte bezogen und damit auf acht Reliefs reduziert. Der Weg der Nachfolge beginnt mit Petrus, der uns Eifer und Gefährdung der Nachfolge spiegelt. Nachfolge meine ich immer konkret. So zeigt das Relief mit den weinenden Frauen auch Edith Stein, die ihre "Kreuzeswissenschaften" selbst gelebt hat. "Jesus wird seiner Kleider beraubt" wird aktualisiert mit dem Hinweis: Was ihr anderen getan habt, das habt ihr mir getan. Der Weg führt zur Vollendung - es ist vollbracht - zur neuen Schöpfung im achten Relief. Der Kreuzweg geht in der Steinigung des Stefanus weiter.
Die Bronzetafeln sollen uns zu denken geben, dass wir den Weg mit Jesus mit gehen und ihn uns vertraut machen. Sie sollen uns so in einem Leben aus dem Glauben bestärken.

Franz Hämmerle    
 




(*) Die Broschüre ist im Pfarramt St. Stefan wie auch in der Sakristei (nach den Gottesdiensten) erhältlich und kostet 8,- €.

 


PETRUS    ERSTE TAFEL

Wir machen uns den Weg der Nachfolge durch Bildwerke vertraut. Bei so vielen anderen Angeboten und Verlockungen zu mehr Lebensgewinn fällt dies oft schwer. Petrus spiegelt unsere Gefährdung und Unsicherheit. Wir haben Angst, dass etwas falsch läuft und wollen alles planen und absichern. Leben heißt, den Weg gehen. Wenn wir Jesu Botschaft der Liebe in den alltäglichen Dingen schultern, dann wird er alles richten.

JOH 6,65 Und er sagte: Deshalb habe ich euch gesagt: Keiner kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht gegeben ist vom Vater. Von da an gingen viele seiner Jünger weg. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt auch ihr davon gehen? Antwortete ihm Simon Petrus: Herr, zu wem sollten wir gehen, Worte unendlichen Lebens hast du.

MT 16,21 Und Jesus begann seinen Jüngern zu zeigen, es müsse sein, dass er nach Jerusalem gehe, viel leide von den Ältesten und Hohenpriestern und getötet werde und am dritten Tage auferweckt werde. Da nahm ihn Petrus zu sich her und fing an, ihn anzufahren und sagte: Gnade dir! Keinesfalls soll dir dies geschehen. Er aber, sich umwendend, sprach zu Petrus: Geh fort, hinter mich, Satan! Ein Ärgernis bist du mir, weil du nicht die Sache Gottes im Sinn hast, sondern die der Menschen.

MK 14,26 Und nachdem sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus zum Berg der Ölbäume. Und es sagte ihnen Jesus: Alle werdet ihr Anstoß nehmen, weil geschrieben ist: Schlagen werde ich den Hirten, und die Schafe werden zerstreut werden. Petrus aber sagte ihm: Wenn auch alle Anstoß nehmen werden, doch nicht ich. Und es sagte ihm Jesus: Amen, ich sage dir: Du wirst heute in dieser Nacht, ehe zweimal ein Hahn schreit, mich dreimal verleugnen. Er aber redete überaus heftig: Und wenn es sein müsste, dass ich mitsterbe mit dir, werde ich dich nie verleugnen. MT 26,69 Petrus aber saß draußen im Hof. Da trat eine Magd zu ihm und sagte: Auch du warst mit Jesus, dem Galiläer. Er aber leugnete vor allen und sagte: Ich weiß nicht, was du sagst! Als er in die Torhalle hinaus gegangen war, sah ihn eine andere und sagte zu denen dort: Der war mit Jesus, dem Nazaräer! Und abermals unter Eid leugnete er: Ich kenne den Menschen nicht! Ein klein wenig später traten die Umstehenden heran und sprachen zu Petrus: Wahrhaftig, auch du bist einer von ihnen, deine Sprache entlarvt dich! Dann fing er an, sich zu verwünschen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht! Und zugleich krähte ein Hahn. Da erinnerte sich Petrus des Wortes Jesu, das er gesprochen hatte: Ehe ein Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.



JESUS NIMMT DAS KREUZ AUF SICH    ZWEITE TAFEL

Den Willen Gottes im Kreuz Jesus anzunehmen, ist uns unverständlich.
Es sind aber auch die Gedanken Gottes für uns unergründlich. Und dennoch erscheint uns das Paradoxe als Weisheit, so dass wir sagen können: Im Kreuz ist Heil. Das Kreuztragen wird zum Bild und Zeichen. Nicht wir sollen uns beliebige Kreuze auferlegen, sondern wir müssen uns dem stellen, was uns zugemutet wird. Indem wir seinen Willen suchen, soll die Liebe Gottes sichtbar werden. Das Kreuz tragen bedeutet für uns, die Botschaft leben mit allen Konsequenzen.

JOH 8,21 Abermals sprach er zu ihnen: Ich gehe, und ihr werdet mich suchen – und doch in euren Sünden sterben. Wo ich hin gehe, dahin könnt ihr nicht kommen. Sagten da die Juden: Er wird sich doch nicht selber töten, da er sagt: Wo ich hin gehe, dahin könnt ihr nicht kommen. Jesus sprach also zu ihnen: Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin. Und von mir aus tue ich nichts. Wie der Vater mich lehrte, das sage ich. Und der mich ausgeschickt, er ist mit mir. Er hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit tue, was ihm gefällt

JOH 19,16 Dann lieferten sie ihn aus, auf dass er gekreuzigt werde. Sie übernahmen also Jesus. Und das Kreuz sich selber tragend, zog er hinaus an die sogenannte Schädelstätte, hebräisch Golgotha genannt.

MT 10,38 Wer sein Kreuz nicht nimmt und mir nachfolgt – hinter mir her — ist meiner nicht wert. Wer sein Leben finden will, wird es zugrunde richten, und wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.

MT 16,24 Wer hinter mir hergehen will, der sage sich los von sich und nehme sein Kreuz auf und so folge er mir. MT 11,28 Heran zu mir alle ihr Müden und Beladenen, ich werde euch aufatmen lassen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir.
Denn: Sanft bin ich und von Herzen niedrig, und ihr werdet Aufatmen finden für euer Leben. Mein Joch ist ja gut und meine Bürde ist leicht.



JESUS FÄLLT UNTER DEM KREUZ    DRITTE TAFEL

Er schmeckt die Erde, die durch Gottes Wort geschaffen ist. Jesus ist Opfer. Wer tritt, ist oben. Der zu Boden geht, wird noch getreten. Die aus Hass und Geltungssucht treten, gibt es wieder viele. Der getreten wird, ist immer auch er – Jesus. Dabei ist auch der, der weg schaut, vielleicht aus Angst, verwickelt zu werden, zu feige einzuschreiten, und der, der zuschaut. Dabei sind auch wir. In seiner Marter hält uns Jesus noch die offene Hand entgegen. Versöhnend alle, in deren Machtsysteme Rache religiös verankert ist. Verzeihend allen, die ja-aber sagen. Es ist auch die Hand des Sämanns. Sämann und Saat werden eins, der Hirte wird das Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. Durch sein Einswerden mit dem Willen Gottes und mit der Erde wird er eins mit uns als Nahrung.

JOH 12,23 Jesus sagt: Gekommen ist die Stunde, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Ja, wahr istŽs, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Stirbt es aber, so trägt es viel Frucht. Wenn einer mir dient, so folge er mir. Und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird mein Vater ihn ehren.



SIMON VON CYRENE    VIERTE TAFEL

In unserer Gesellschaft sind eher die oben, die sich distanzieren und sich über Jesus und das Kreuz lustig machen. Sich mit Jesus unter das Kreuz stellen, bringt oft Spott ein. Soll das Lebens- und Lustgewinn sein? Andere sind wieder in Gefahr, Gottbesitzer zu sein. Verwalter und Funktionäre der Religion wollen oft besser wissen und bestimmen, wie und wo Gott zu sein hat. Aus Zwang wurde eine Annahme und damit eine Sinnerfahrung. Im Mittragen des Kreuzes ändert sich die Sichtweise. Im Gleichschritt halten – damit nicht beide stürzen – wird der Leidensgenosse eins mit dem Verurteilten. Im Leid kommt das Gleichsein mit Gott zustande. Der Weg zum Leben manifestiert sich beim Menschen auch im Leid.

MK 15,21 Und als sie ihn abgeführt, griffen sie einen gewissen Simon aus Cyrene, der vom Feld her kam. Ihn zwangen sie, das Kreuz zu tragen.

JOH 16,2 Jesus sagt: Es kommt sogar die Stunde, da jeder, der euch tötet, wähnt, er bringe Gott ein Opfer. Und das werden sie tun, weil sie den Vater nicht erkannten, noch mich.

JOH 15,18 Wenn euch die Welt hasst, so wisst: Mich hat sie zuerst gehasst.



JESUS BEGEGNET DEN FRAUEN    FÜNFTE TAFEL

Jesus hatte auch Jüngerinnen und Frauenkreise, die seine Worte hörten und weiter gaben. Maria Magdalena hatte seine Füße gewaschen. Sie ist auch am Kreuzweg nicht von ihm gewichen. Wohin sollen sie gehen? Jesus war für sie das Wort des Lebens. In Schmerz und Verzweiflung, ohnmächtig weinen und klagen sie mit Maria, der Mutter Jesu. Maria versinkt in Trauer. Der Schmerz durchdringt wie ein Schwert ihr Herz. Sein Antlitz hat sich in das Schweißtuch der Veronika geprägt. Sie hält es, damit die Gegenwart des Herrn im Bild weiter wirkt.
Es ist nicht ein Menschenbild, das auf Glück und Schönheit beruht, es ist das echte Menschenbild – vera ikon – das das Bild des Leidens zeigt. Gott gibt uns sein Bild, damit wir Ebenbild werden können.
Neben den verzweifelten Frauen steht die jüdische Frau Edith Stein voll Zuversicht, die ihren Leidensweg in der Nachfolge als Theresia Benedicta a cruce gegangen ist. Unter dem Kreuz verstand sie das Schicksal des Volkes Gottes, das sie ertrug. "Mein einziger Beruf ist fortan nur mehr lieben." Dies kann nur gelingen durch ständige Einübung in Verzicht, was in tiefe Nacht und Einsamkeit führen kann. In dieser Nacht ist Gottverlassenheit und Gottgewissheit eins. Wer sich so in das Leben und Lieben Jesu tätig hinein begibt, wird sich aller Bilderinnerung entledigen, da es keine Form und kein Bild gibt, unter dem das Gedächtnis Gott erfassen könnte.

LK 23,27 Es folgte ihm in großer Menge das Volk. Auch Frauen waren dabei, die sich an die Brust schlugen und um ihn klagten. Jesus aber wandte sich an sie und sprach: Ihr Töchter Jerusalems, weint nicht über mich, sondern über euch selber weint und über eure Kinder. Denn Tage kommen, da man sagt: Selig die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren und Brüste, die nicht genährt haben! Dann fangen sie an, zu den Bergen zu sagen: Fallt auf uns! Und zu den Hügeln: Deckt uns zu! Denn wenn man das am frischen Holz tut, was soll erst am dürren geschehen?

LK 21,17 Und ihr werdet gehasst sein von allen um meines Namens willen. Und doch wird nicht ein Haar von eurem Kopf verloren gehen. In eurem Ausharren werdet ihr euer Leben gewinnen. Wenn ihr aber Jerusalem von Heeren umzingelt seht, dann erkennt, dass seine Verödung genaht ist. Dann sollen die in Judäa in die Berge flüchten, und die drinnen, sollen ausziehen, und die auf dem Land sind, nicht hinein gehen, denn "Tage des Recht-Schaffens" sind es, zu erfüllen alles Geschriebene. Weh denen, die im Schoß tragen und denen, die nähren in jenen Tagen! Denn es wird große Not sein auf Erden und Zorn auf diesem Volk. Und fallen werden sie durch Schwertes Rachen und gefangen zu allen Völkern geführt. Und Jerusalem wird von den Völkern zerstampft werden, bis erfüllt sind die Zeiten der Völker. Beginnt aber das zu geschehen, beugt euch hoch und hebt eure Köpfe! Denn es naht euer Loskauf.



JESUS WIRD SEINER KLEIDER BERAUBT    SECHSTE TAFEL

Zur äußersten Schmach gehörte, dass den Verurteilten die Kleider vom Leib gerissen wurden. Das erinnert an die vielen Volksgenossen Jesu, die im Dritten Reich ebenso entehrt wurden.

JH 19,23 Als nun die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Obergewänder und machten vier Teile – jedem Soldaten ein Teil – auch den Leibrock. Der Leibrock aber war nahtlos, von oben herunter ganz durchgewebt. Sprachen sie also zu einander: Wir wollen ihn nicht zertrennen, sondern losen um ihn, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt: Sie verteilten meine Obergewänder unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Das also taten die Soldaten.

PS 22,11 Auf dich bin ich vom Schoß an geworfen, vom Leib meiner Mutter her bist du mein Gott. Nimmer bleibe mir fern, nah ja ist die Bedrängnis, da ist ja kein Helfer! Ich bin hin geschüttet wie Wasser, trennen wollen sich all meine Knochen, mein Herz ist geworden wie Wachs, in meinen Eingeweiden zerflossen, meine Kraft ist dürr wie ein Scherben, an meinem Schlund geklebt meine Zunge.

Du rückst mich in den Staub des Todes! Hunde haben mich ja umringt, umkreist mich eine Rotte von bös Gesinnten, sie fesseln mir Hände und Füße, zählen kann ich all meine Knochen. Jene blicken herzu, sie besehen mich, sie teilen unter sich meine Kleider, über mein Gewand lassen sie fallen das Los.



KREUZIGUNG    SIEBTE TAFEL

Gottes Liebe ist unbegreiflich, sie hört am Kreuz nicht auf. Das Einssein mit dem Vater kostete Jesus das Martyrium am Kreuz. Auf diesem Weg will uns Jesus Gott den Vater noch ganz anders nahe bringen, über den Tod hinaus. Wir bezeichnen uns selbst mit dem Kreuz. Getauft auf Christi Tod, sind wir mit ihm der Welt gestorben, um mit ihm zu leben.

Unsere Nachfolge besteht im freien Bekenntnis zu Christus, unseren Herrn.
MT 27,35 Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Obergewänder, das Los darüber werfend. Dann setzten sie sich und bewachten ihn dort. Und über seinem Kopf brachten sie seine Schuld schriftlich an: Das ist Jesus, der König der Juden!

JOH 19,25 Es standen aber beim Kreuz Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria aus Magdala. Als nun Jesus die Mutter sieht und daneben stehend den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, sieh, dein Sohn! Hierauf sagte er zum Jünger: Sieh, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

MT 27,45 Und von der sechsten Stunde an war Finsternis über das ganze Land hin – bis zur neunten Stunde. Um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit gewaltiger Stimme und sagte: Eli, Eli, lema sabachtani. Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich im Stich gelassen! Einige der dort Stehenden hörten es und sagten: Der ruft den Elija. Und sogleich lief einer von ihnen und nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essigwein, steckte ihn auf einen Rohrstock und wollte ihn tränken. Die Übrigen aber sagten: Lass, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihn rettet. Jesus aber schrie abermals mit gewaltiger Stimme – und verschied.

Und da! Der Vorhang des Tempels war zersplissen – von oben bis unten entzwei. Und die Erde erbebte, und die Felsen zersplissen. Und die Gräber öffneten sich, und die Leiber von vielen der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt. Sie kamen – nach seiner Auferweckung – aus den Gräbern heraus, kamen in die heilige Stadt hinein und zeigten sich vielen. Als aber der Hauptmann und die mit ihm Jesus bewachten, das Beben sahen, und was da geschah, befiel sie gewaltige Furcht und sie sagten: Wahrhaftig, der war Gottes Sohn!

JOH 19,31 Nun, da Rüsttag war und am Sabbat die Leiber nicht am Kreuz bleiben sollten – denn groß war jener Sabbattag – baten die Juden den Pilatus, ihnen die Schenkel zu brechen und sie weg zu bringen. Kamen also die Soldaten, und dem ersten brachen sie die Schenkel und dem andern mit ihm Gekreuzigten. Doch als sie zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, brachen sie ihm die Schenkel nicht. Einer der Soldaten vielmehr stieß mit seiner Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus.
Und der es gesehen, der hat es bezeugt, und wahrhaftig ist sein Zeugnis. Und jener weiß, dass er Wahres sagt, auf dass auch ihr glauben mögt. Denn das ist geschehen, dass die Schrift erfüllt würde: Kein Knochen soll ihm zermalmt werden. Und eine andere Schrift sagt abermals: Sie werden auf den hinsehen, den sie durchbohrt haben.



GRABLEGUNG    ACHTE TAFEL

Maria weilt noch immer unter dem Kreuz. Die Eindrücke des toten Jesus lassen sie nicht los. Sie ist unsere Mutter geworden, zu ihr kommen alle, die ähnlich Schmerz empfinden, weil sie ein Kind oder einen lieben Menschen verloren haben. Mit ihr stehen auch wir unterm Kreuz. Gott gebe, dass tiefes Leid uns nicht den Blick auf die Auferstehung verstellt.

JOH 19,38 Danach aber bat Josef aus Arimathäa, der ein Jünger Jesu war – aber ein heimlicher aus Furcht vor den Juden – den Pilatus, dass er den Leib Jesu weg holen dürfe. Und Pilatus gestattete es. Er kam nun und holte seinen Leib. Es kam aber auch Nikodemus, der das erste Mal nachts zu ihm gekommen war, und brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Sie nahmen nun den Leib Jesu und banden ihn samt den Duftkräutern in Leinentücher, wie es Begräbnisbrauch ist bei den Juden. An dem Ort aber, wo er gekreuzigt worden, war ein Garten, und in dem Garten ein neues Grab, darein noch niemand gelegt worden. Dorthin also legten sie Jesus, wegen des Rüsttags der Juden, weil das Grab in der Nähe war.

MK 16 Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, des Jakobus Mutter und Salome Duftkräuter, um hinzugehen und ihn zu salben. Und in aller Frühe, am ersten Wochentag, kommen sie zum Grab, als eben die Sonne aufging. Und sie sagten zu einander: Wer wird uns den Stein vom Tor des Grabes weg wälzen? Und sie blickten auf und schauen, umgewälzt lag der Stein da; er war nämlich sehr groß. Und als sie in das Grab hinein gingen, sahen sie zur Rechten einen Jüngling sitzen, in einem weißen Talar gewandet – da erschauderten sie. Er aber sagte zu ihnen: Erschaudert nicht! Jesus sucht ihr, den Nazarener, den Gekreuzigten – auferweckt ward er. Er ist nicht hier. Seht da – der Ort, wo sie ihn hin gelegt haben. Doch geht, sprecht zu seinen Jüngern und zu Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und hinaus gingen sie, flohen vom Grab. Noch zitterten sie und waren außer sich. Und mit niemand sprachen sie etwas – voll Furcht wie sie waren.



STEPHANUS    NEUNTE TAFEL

Der Kreuzweg ist mit Ostern nicht zu Ende. Wir stehen in der Nachfolge und Zeugenschaft und können der Gewalt und dem Hass, dem wir ausgeliefert werden, nur Jesu Botschaft und verzeihende Liebe entgegen setzen.

APG 6,8 Stefanus aber, voll Gnade und Kraft, tat gewaltige Zeichen im Volk. Und sie konnten der Weisheit und dem Geist seines Redens nicht widerstehen.

APG 7,54 Als sie seine Rede hörten, wussten sie in ihren Herzen nicht ein noch aus. Und sie knirschten mit den Zähnen wider ihn. Voll heiligen Geistes aber, zum Himmel sich wendend, sah er Gottes Herrlichkeit und Jesus stehend zur Rechten Gottes. Und er sprach: Da! Ich schaue die Himmel: durch und durch offen und den Menschensohn stehend zur Rechten Gottes. Sie aber schrien mit gewaltiger Stimme, hielten sich die Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn los. Und sie trieben ihn aus der Stadt hinaus und steinigten ihn. Und die Zeugen hatten ihre Obergewänder zu Füßen eines jungen Mannes nieder gelegt, der Saulus hieß. Und so steinigten sie Stefanus, während er ausrief und sagte: Herr Jesus, nimm hin meinen Geist! Und in die Knie sinkend schrie er mit gewaltiger Stimme: Herr, lass ihnen diese Sünde nicht stehen! Das sprach er und verschied.

Saulus aber war mit seiner Hinmordung einverstanden. Und es geschah: An jenem Tag kam eine große Hetzjagd über die Gemeinde in Jerusalem. Alle wurden über die Lande Judäas und Samariens hin versprengt – außer den Sendboten. Den Stefanus jedoch bestatteten ehrfürchtige Männer und hielten große Totenklage um ihn. Saulus aber suchte die Gemeinde auszumerzen, indem er in die Häuser eindrang, Männer wie Frauen heraus schleifte und in den Kerker auslieferte.

Der Kreuzweg führt in die Herrlichkeit Gottes, macht uns mit dem Geist vertraut, in dem wir beten: Unser lieber Vater in den Himmeln, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme. Das ist seine Herrlichkeit: Herrlich ist, was man mit Sinnen wahr nehmen kann, etwas Sinnerfülltes. Herrlichkeit ist, in Klarheit und Liebesgesinnung vor Gott da sein, wo die Güte und die Liebe sich bewahrheitet. Herrlichkeit ist das Schöne (pulchrum), der Glanz des Wahren (verum), das sich nicht von unseren Verurteilungen und Festlegungen, sondern von Gott her im Licht der Liebe zeigt.



Erweiterung des Kreuzweges (März 2012)

 


 

Im Anschluss an den Bußgottesdienst am 30. 3. 2012 wurden die drei neuen Tafeln des Kreuzweges eingeweiht.

Der Kreuzweg beginnt nun schon vor der Kirche an der Südmauer des Kirchenvorplatzes. Alle drei Tafeln stehen unter dem Motto des gesamten Zyklus: Die Nachfolge.

Die erste Szene, die Fußwaschung, sprengt die Formen. Im Wortsinn aus dem Lot gerät sie, wo sich die Ränder verschieben. Anstelle Machtgerangels tätige Zuwendung durch Jesus. Vertreter des Systems, „Amts- und Bedenkenträger“, wie der Künstler Anton Hämmerle sagt, gesichtslos, lassen in der Haltung der Hände Ablehnung, Gleichgültigkeit und belehrende Kritik erkennen.






Von Einsamkeit in Todesangst, aber auch von Wachsamkeit und Hingabe spricht das Mitteltableau. Eine Diagonale dominiert das Bild. Links unten kauern schlafende Jünger auf dem Erdboden, rechts oben strahlt eine Sonne. Ein Kreis, wiederkehrendes Motiv in Hämmerles Werk, Symbol der göttlichen Welt. Dazwischen die Gestalt Jesu. Die Patina ist hier dramatisch eingesetzt.





Auf der dritten Tafel die Gefangennahme.
Im Mittelpunkt des waffenstarrenden Kreises Jesus mit geöffneten Armen. „Ganz wichtig ist mir hier die Gewaltlosigkeit“, sagt Hämmerle, „die Überwindung der Aggression durch Liebe.“

→ Bericht über die Einweihung bei Merkur-online